2024 gab es erneut ein negatives Wirtschaftswachstum. Das ist zunächst einmal eine Bestandsaufnahme. Leider schauen sich viele Leute aber nur eine Zahl an, dabei liegen die wirklich wichtigen Aussagen in den Details.
Die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe ging um 3% zurück, der Dienstleistungsbereich hingegen stieg um 0,8%. Das ist erstmal ein klares Zeichen für einen wirtschaftlichen Wandel in Deutschland.
Deutschland entwickelt sich zu einem Dienstleistungsland, dies gilt es zu erkennen und zu fördern. Im verarbeitenden Gewerbe wird es aufgrund der stark steigenden internationalen Konkurrenz v.a. aus China ohnehin schwieriger mitzuhalten.
Natürlich soll das nicht heißen, dass das man dem verarbeitenden Gewerbe in seinem Rückgang tatenlos zuschaut, das wäre wie wenn man nachdem man sein Auto in Treibsand gefahren hätte, ihm nun beim Versinken zusehen würde. Nein, wir sollten schon alles daran setzen unser Auto wieder auf die Straße zu bringen, aber wir sollten nicht übersehen, dass dies eine schwierige Aufgabe ist. Hat man das Auto einmal in Treibsand gefahren, bekommt man es so schnell nicht mehr heraus.
Die Bruttoanlageinvestitionen sanken um 2,8%. In dieser Zahl liegt ein ganz zentrales Problem. Die fatale Zinspolitik der EZB, allgemeine Verunsicherung und ein Bausektor, der durch die Zinspolitik und allgemein hohe Kosten und Bürokratie gebeutelt ist, sind die Kernursachen. Hier gilt vor allem: Kommunikation. Kündigt die EZB weitere Zinssenkungen an, wie reden die deutschen Politiker über die Wirtschaft, malen sie den Teufel an die Wand, oder machen sie konkrete und sinnvolle Vorschläge? Das sind Fragen, die eine immense Auswirkung auf die Bruttoanlageinvestitionen haben. Das schlechteste, was die deutsche Politik machen kann, ist weiter verunsichern und hin und her zu rudern. Eine beständige, zukunftsorientierte und nicht zuletzt auch positive Bundesregierung könnte diese Zahl schnell um ein gutes Stück nach oben ziehen.
Neben den Bruttoanlageinvestitionen gibt es aber noch zwei weitere hausgemachte Probleme.
Der private Konsum stieg preisbereinigt um mickrige 0,3%.
Das ist eine Verbesserung zum Vorjahr, aber bei weitem nicht ausreichend. Privater Konsum ist die Stütze einer Volkswirtschaft und mit einem Anteil von über 50% der wichtigste Sektor. Ihn gilt es zu stärken. Die Menschen in Deutschland haben zum Teil schlicht zu wenig Geld für Konsum. Die Reallöhne haben die Inflationsrate zwar mittlerweile eingeholt, das wurde aber durch eine Integration vieler Einmalzahlungen (Inflationsausgleiche) schöner gerechnet als es war.
Auch beim privaten Konsum kommen Unsicherheit und Angst vor sozialem Abstieg, was die Sparquote in 2024/1 auf 11,1% ansteigen ließ, hinzu. Die Menschen sind vorsichtiger und bauen sich Rücklagen auf.
Und dann ist da noch der Außenhandel. Er sank um 0,8%.
Vor allem Maschinen und Kraftfahrzeuge werden weniger exportiert.
Hier hilft nur ein Blick in eine realistische Zukunft. Die Zeiten des Exportweltmeisters Deutschland werden enden. Mal ganz davon abgesehen, dass unsere Export-Strategie ohnehin unfair gegenüber unseren Partnern in der Währungsunion ist (Stichwort: fehlender Wechselkurs), ist ein Fokus auf Außenhandel in Zeiten von zunehmendem Protektionismus eine viel zu volatile Strategie. Hier gilt:
Der private Konsum muss weiter in den Vordergrund! In den USA liegt er bei um die 70%! Das sollte auch unsere Zieldimension sein.
Durch Angebotspolitik, wie sie aktuell von Union und FDP gefordert wird, werden wir genau das nicht erreichen. Was es braucht, sind nachfragepolitische Ansätze. Wenn die Arbeitnehmer schlicht mehr Geld in den Taschen haben, werden sie auch mehr konsumieren.
Gleiches gilt natürlich auch für staatlichen Konsum. Auch er kann das BIP deutlich stärker stützen, als uns der Mainstream sagen will.

Dieser Text könnte auch 10.000 Wörter umfassen, ich halte ihn aber bewusst, kürzer um mir ein wenig ihrer Aufmerksamkeit noch für meinen Schluss zu bewahren:
Das BIP ist nur eine Zahl. Als Wohlstandsindikator taugt es ohnehin kaum und als Maß für die Wirtschaft ist es eine Art ESC-Madonna. Alle sind skeptisch, fiebern dem Tag des Ereignissen (der Veröffentlichung) entgegen und werden am Ende doch enttäuscht. Ja, wir sollten die Wirtschaft wieder auf einen Wachstumspfad bringen, aber nein, die Wirtschaft stirbt nicht ab, nur weil auch dieses Jahr kein Wachstum herrscht. Lassen Sie sich nicht einreden die Deutschen würden zu wenig arbeiten, es gäbe zu viele Feiertage, die Deutschen seien nicht produktiv genug, oder die Löhne zu hoch. Das ist Angebotstheorie aus der Hölle. Was es stattdessen braucht, sind Maßnahmen zur Stärkung von uns allen. Haben wir mehr Geld, geben wir auch mehr aus und dann produzieren die Unternehmen mehr. Das wird viele strukturelle Probleme nicht lösen, aber zumindest dafür sorgen, dass es uns wirklich besser geht. Achten Sie auf Parteien die genau das fordern.

Nichts mehr verpassen mit meinem Newsletter!

Schreibe einen Kommentar