Bild von Martin Hudec auf Pixabay
Seit dem heutigen Tag läuft eine der spannendsten Wahlen auf der ganzen Welt. Für mich, der 2013 bei der Wahl Franziskus’ noch ein kleiner Junge war, ist es natürlich dieses Mal umso spannender. Ich erinnere mich noch sehr klar daran, wie meine Eltern mich 2013 aus meinem Zimmer holten und mir die Fernsehbilder, den weißen Rauch erläuterten.
Nun ist dieser Blog kein katholischer und auch keiner für persönliche Geschichten. Ich möchte das aktuelle Interesse am Vatikan und dem Pontifikat jedoch nutzen, um ein ganz spannendes und ebenso mystisch-geheimnisvolles Thema aufzubringen, das wunderbar in diesen Blog passt. Die Finanzen des Vatikans. Wie geht es dem päpstlichen Haushalt, wie reich ist der Vatikan wirklich und welche Entwicklungen deuten sich an?
Zunächst muss ich Sie leider direkt enttäuschen. Die konkreten und umfassenden Zahlen des Vatikans liegen weder mir noch sonst irgendwem außerhalb, vor. Einige offizielle Zahlen gibt es allerdings, ebenso wie einige vertrauenswürdige Zeitungsquellen, die ich zusammengetragen habe.
Des Weiteren ist die insgesamte Finanzverwaltung des Vatikans nicht ganz eindeutig und durchaus kompliziert. Mehrere Behörden, Räte und Kontrollstellen wirken zusammen und stellen so gemeinsam die Finanzverwaltung. Folgend werde ich zunächst einmal grundlegend erläutern welche Institutionen es gibt und was sie machen.
- Die Vatikanbank:
Die Vatikanbank ist keine wirkliche Bank. Es gibt zum Beispiel keine Kreditvergabe, wie bei „normalen“ Geschäftsbanken und keine Geldpolitik, wie bei Zentralbanken. Bei ihr können vatikanische Einrichtungen, Orden, Bischofskonferenzen, Bistümer, Klöster und andere kirchliche Einrichtungen ein Konto eröffnen. Was sie vor allem macht, ist Geld verwalten.
2. Die APSA
Die APSA ist das, was einer Zentralbank wohl am nächsten kommt. Sie verwaltet Wertpapiere, legt Geld zumeist langfristig und risikoarm an und verwaltet eine Reihe von Immobilien. Auch die Mieteinnahmen aus den Immobilien landen bei ihr.
3. Governorat des Staates Vatikanstadt
Dann gibt es noch autonome Einheiten z.B. das Governorat des Staates Vatikanstadt, das einen eigenen Haushalt hat und Einnahmen vor allem aus den Museen generiert.
4. Aufsichtsorgane
Hier zu nennen wäre beim finanziellen das Sekretariat für Wirtschaft, welches die Budgets des Heiligen Stuhls überwacht, sowie Ausgabenrichtlinien vorgibt. Zu ihm gehört auch der Wirtschaftsrat, dem im Übrigen der deutsche Kardinal Reinhard Marx vorsteht.
Wie Sie sehen, ist das alles weder übersichtlich noch eindeutig. Ich habe an dieser Stelle etwas abgekürzt -wohlgemerkt, dass noch einige fehlen- darunter zum Beispiel noch der Auditor-General und die Finanzermittlungs- und Aufsichtsbehörde.
Die Zahlen
Nach diesem Abschnitt der finanziellen Struktur brennt es ihnen sicher unter den Fingernägeln, wie denn nun die Finanzen des Vatikans aussehen. Einen einheitlichen Haushalt gibt es tatsächlich nicht. Allgemeine Zahlen insbesondere zum Vermögen sind auch nicht bekannt, was wir aber haben sind Zahlen der APSA, sowie des Wirtschaftssekretariats. Allerdings noch aus 2023. Zur Erinnerung: die APSA kümmert sich um die Vermögensverwaltung, der Wirtschaftsrat um die grundsätzliche Richtlinienvorgabe.
Einnahmen der APSA
Im Jahr 2023 konnte die APSA einen Überschuss von 7,9 Millionen Euro einfahren. Allerdings sank das Eigenkapital der APSA um 106 Millionen Euro. Das ist ein sehr deutlicher Verlust. Erklären lassen sich diese Zahlen vor allem mit einer Neubewertung von den Immobilien (allein in Italien besitzt der Vatikan über 4000), welche die APSA verwaltet. Die Marktwertanpassung sorgte für ein Minus von 415 Millionen Euro. Gestiegen sind hingegen die Einnahmen durch Wertpapiere. Da hatte man scheinbar ein göttliches Händchen…
Ein großes Problem bei der Generierung von Einnahmen ist, dass der Vatikan zwar viele Immobilien besitzt, diese aber zu 70% umsonst verwendet werden. Vor allem die Kardinäle erhalten ihre Wohnungen zumeist zu einem Sonderpreis von… 0 Euro. Nur etwa 20% aller von der APSA verwalteten Immobilien werden zu „marktüblichen Preisen“ vermietet. Papst Franziskus hatte bereits vorsichtig versucht dieses finanzielle Loch anzugehen, indem er teilweise kostenlose Wohnungen streichen ließ. Außerdem wurde bereits damit begonnen einige dieser Immobilien zu verkaufen. Die „Welt“ berichtete von insgesamt 205 Millionen Euro an Einnahmen aus eigener wirtschaftlicher Tätigkeit, darunter rund die Hälfte durch die Immobilienverwaltung der APSA.
Neben den Einnahmen aus den Immobilien erhält der Vatikan eine Vielzahl von Spenden. Darunter der sogenannte „Peters-Pfenning“, der eine Art Sonderkollekte in den katholischen Gemeinden für die humanitäre Arbeit des Papstes darstellt. Die Einnahmen daraus liegen bei 48 Milliarden. Insgesamt gab es wohl 218 Millionen Euro an Spenden (Quelle: Welt).
Einnahmen der Vatikanbank
Die Vatikanbank, die vor allem mit der Verwaltung von digitalem Vermögen betraut ist, konnte durch die Verwaltung von insgesamt 5,4 Milliarden Euro für über 12.000 Kunden ebenfalls Geld für den Vatikan erwirtschaften. Laut dem Geschäftsbericht konnte die Vatikanbank (gen. IOR) einen Gewinn von circa 31 Millionen Euro einfahren.
Weiteres
Staatliche Kirchensteuern fließen übrigens ausdrücklich nicht in die vatikanische Bilanz! Weitere Einnahmequellen sind die zwei Krankenhäuser, der Supermarkt, die Apotheke, Tankstelle, das Bekleidungsgeschäftes, sowie natürlich Eintrittsgelder (über das Governorat). Hinzu kommen vatikanische Euromünzen- und Briefmarken-Verkäufe.
Gesamtergebnis
Laut der berühmten Zeitung „La Repubblica“, die angibt offizielle Berichte vorliegen zu haben, lagen die Einnahmen des Vatikans 2023 bei 1,152 Milliarden Euro, bei Betriebsausgaben von 1,236 Milliarden Euro. Es gab also ein Haushaltsdefizit von 84 Milliarden Euro. Das ist ein deutliches Minus und eines der höchsten aus den letzten Jahren.
Zurückzuführen ist das vor allem noch auf Folgen der Pandemie, sowie stark gestiegene Personal- und Verwaltungskosten im Zuge der inflationsbedingten Lohnanpassungen.
Fazit
Der Vatikan ist reich. Allerdings muss man hier deutlich unterscheiden. Die deutschen Bistümer verfügen zusammen z.B. über ein deutlich höheres Vermögen, v.a. durch ihre Einnahmen aus der Kirchensteuer und den Immobilien, die den Bistümern gehören. Der Vatikan ist in erster Linie vermögend durch Kunst, die zumeist aber schlicht unverkäuflich ist, auch Immobilien und eben Kapitalbeteiligungen. Wirklich liquide sind nur diese Kapitalbeteiligungen, die sich auf einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag beziffern. Da die Vatikanbank eine Eigenkapitaldeckung von fast 60% hat und auch die APSA Geld auf der hohen Kante hat, wird der Vatikan vermutlich nie -und wenn doch nur sehr langsam- bankrottgehen können. (Und selbst wenn der Vatikan bankrott wäre, könnten die ohnehin reichen Kirchengemeinden in Deutschland z.B. finanziell weiter existieren.) Dass der Vatikan aber seit Jahren Haushaltsdefizite einfährt, ist dennoch ein Problem, welches der nächste Pontifex angehen muss. 84 Millionen Euro Verlust ist eine deutliche Aussage. Zumal auch der Vatikan ein Problem mit den Rentenkassen hat. Langfristig muss der Heilige Stuhl also -wenn er nicht nach und nach seine Rücklagen aufbrauchen will- wieder schwarze Zahlen schreiben. Harte Entscheidungen erscheinen mir unausweichlich. Denn sonst heißt es irgendwann nicht mehr nur „habemus papam“, sondern auch „non habemus pecuniam“.
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